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Nein zu Kinderpatenschaften | Drucken |
klartext1.gifKinderpatenschaften stoßen derzeit auf große Resonanz, da sie an die Grundüberzeugung anknüpfen, dass Kinder des besonderen Schutzes einer Gesellschaft bedürfen. Auch das Amt des Paten weist in christlicher Tradition auf die Schutzwürdigkeit von Kindern hin. Kinderpatenschaften befinden sich strukturell jedoch auch in einer Ambivalenz zwischen einerseits berechtigten Hilfen schutzbedürftiger Kinder und andererseits der Instrumentalisierung von Kindern. Lesen Sie das Interview mit dem Vorstand der Marathonstiftung, Bruder Lothar Wagner SDB, aus dem Kloster Benediktbeuern.

Was halten Sie von Kinderpatenschaftsprogramme? Bruder Lothar: Gegen Kinderpatenschaften sprechen seit langem pädagogische, organisatorisch-finanzielle, ethische sowie entwicklungspolitische Einwände. Die Marathonstiftung verzichtet auf Kinderpatenschaftsprogramme.

Welche pädagogischen Einwände gibt es? Bruder Lothar: Für die Paten besteht die Möglichkeit, dem Patenkind zu schreiben und ihm ggf. Geschenke zukommen zu lassen. Grundsätzlich problematisch ist die Asymmetrie dieser Kommunikation. Die Kinder schreiben ja schließlich nicht freiwillig, sondern „verdienen“ sich damit ihre Unterstützung. Sicherlich wird es auch ernst empfundene Dankbarkeit geben, die sich gerne in der Korrespondenz ausdrückt. Aber grundsätzlich täuscht auch diese Dankbarkeit nicht darüber hinweg, dass die Kommunikation seitens der Spender mit hohen Erwartungen erfüllt ist. Desweiteren können Konkurrenzkämpfe der Kinder in den Projekten über den „besseren“ Paten schwer vermieden werden. Neid und Eifersucht untereinander werden begünstigt. „Privilegierte“ Kinder können unter dem Neid anderer, sozial sogar isoliert werden. Zudem können mit Kinderpatenschaften sehr schlecht Hilfen zur Selbsthilfe gesteuert werden. Ein plötzliches Ende der Patenschaft kann das Kind in eine noch schlechtere Situation als vor Beginn der Patenschaft versetzen. Sehr problematisch ist zudem, dass einzelne Kinder oft ohne Wahl während der Dauer der Patenschaft zu Werbezwecken instrumentalisiert werden. Insgesamt: Schwere, problematische pädagogische Voraussetzungen.

Ein Vorwurf lautet sehr oft, dass die Betreuung der Patenschaft viel Geld kostet. Was sagen Sie dazu? Bruder Lothar: Spender möchten über die Kinder, für die sie spenden, informiert werden. Die Patenschaftsorganisationen müssen Patenschaftsbewerbung und Patenschaftsbetreuung finanzieren. Vergleichsweise hoch sind die Verwaltungskosten bei Organisationen, die in erster Linie persönliche Kinderpatenschaften im Rahmen regionaler Entwicklungsprojekte fördern, wie zum Beispiel Plan International und World Vision, so Stiftung Warentest 2004. Eine Balance zwischen dem Wunsch des Spenders nach Informationen und der Effizienz des Mitteleinsatzes ist oftmals schwer herzustellen. Der Eindruck von Patenschaftsorganisationen, dass z.B. mit dem einbezahlten Geld genau das eigene Patenkind versorgt wird, täuscht und ist definitiv nicht realisierbar. Die Kosten für die Patenschaftsbetreuung werden von den Patenschaftsorganisationen unseres Erachtens - wohl aus gutem Grund - nicht transparent kommuniziert. Festgehalten werden kann, dass es sich bei Kinderpatenschaften aufgrund der Folgen für die Patenbetreuung vermutlich nicht um eine besonders kostengünstige Spendenwerbung sowie Patenbetreuung handelt.

Oftmals werden Spendern im Internet oder in Broschüren verschiedene Kinder zur Auswahl angeboten, aus denen sie dann ihr „Wunschkind“, so einmal eine Organisation, auswählen können. Was halten Sie davon? Bruder Lothar: Die Auswahl konkreter Kinder aus einer Angebotspalette suggeriert eine Verfügbarkeit von Kindern für die Augen der Spender. Eine solche Darstellung widerspricht christlichen Moralvorstellungen, nachdem Menschen aufgrund ihrer unantastbaren Würde und nicht aufgrund persönlicher Eigenschaften geholfen wird. Leitende Perspektive ist die Subjekthaftigkeit des Kindes. Kinder dürfen niemals als Vehikel zur Befriedigung der Bedürfnisse von Spendern gebraucht werden. Weiterhin sind Werbeformen problematisch, die z.B. auf eine Quantifizierung der noch zu unterstützenden Kinder abzielen: „Noch 25.000 Kinder“.

 Sie sprachen von entwicklungspolitischen Einwänden? Bruder Lothar: Kinderpatenschaften sowie deren Werbung und Betreuung sind Mittel, die dazu dienen, das eigene Überlegenheitsgefühl der Spender zu festigen. Es werden wenige Impulse für einen angestrebten entwicklungspolitischen Perspektivenwechsel der deutschen Bevölkerung angeboten. Denn eine solche Form von Hilfe, kann dem Anliegen, in der bundesdeutschen Bevölkerung Wissen und Verständnis für den strukturellen Zusammenhang zwischen Über- und Unterentwicklung zu wecken, schaden. Kinderpatenschaften bekräftigt das in der Öffentlichkeit latent vorhandene Bild des inaktiven Südens sowie der Überlegenheit des Nordens. Kinderpatenschaften reduziert das Problem der Nord-Süd-Differenz auf machbare Unterstützungsphantasien („Noch 25.000 Kinder“). Die offensive Werbung schwächt den Projektgedanken und stützt die Illusion der face-to-face Unterstützung.

Wie positioniert sich die Marathonstiftung dagegen? Bruder Lothar: Die Spenden der Marathonstiftung sind personenungebunden. Einen direkten persönlichen Kontakt zwischen Spender und Kinder gibt es ganz bewusst nicht. Die Spenden werden dort eingesetzt, wo sie am dringendsten gebraucht werden. Die Marathonstiftung informiert die Spender regelmäßig über die Entwicklung unserer Arbeiten in Afrika durch kostenfreie Veröffentlichungen auf unserer Homepage sowie durch die Medien. Dennoch, das Spenden ist und bleibt Vertrauenssache, egal ob bei einer Übernahme einer Kinderpatenschaft oder bei projektbezogenen Hilfen. Und wir hoffen und zählen auf das Vertrauen unserer Spender!

Wie waren die Leistungen in 2007? Bruder Lothar: Die Marathonstiftung hat im Jahr 2007 durch projektbezogene Hilfen 135 jungen Menschen den Schulbesuch sowie 9 Student/innen den universitären Besuch ermöglicht. Neben Schul- bzw. Unigebühren, Schulmaterialien werden weitere notwendige personenbezogene Hilfen gewährleistet, wie die Grundversorgung in Nahrung, Medizin und Hygiene. Mitarbeiter/innen im Projekt entscheiden über Hilfsbedürftigkeit der jungen Menschen, da sie die Not und Bedarfe vor Ort am Besten kennen. Immer wieder erhalten wir Anfragen von potentiellen Spendern, die sehr gerne eine Patenschaft eines Kindes übernehmen wollen.

 
 
(C) 2006 Marathonstiftung - Bildung für Afrika